Sie sind hier: Startseite » Logopädie Kinder » Störungen

Störungen


Es gibt Auffälligkeiten, die bei der Sprachentwicklung Ihres Kindes auftreten können, die wie folgt unterteilt werden:

1. Aussprachestörungen/ Dyslalien
2. Auffälligkeiten im Satzbau oder in der Wortbildung/ Dysgrammatismus
3. Redeflussstörungen / Stottern oder Poltern
4. Auffälligkeiten in der Mundmuskulatur / Myofunktionelle Störungen
5. Störungen der Hörverarbeitung / Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen


1. Dyslalie:
Aussprachestörung, Artikulationsstörung

Bestimmte Laute können nicht richtig artikuliert werden. Dafür gibt es eine grobe Unterteilung zwischen:

a) der Laut wird falsch gebildet, das heißt, Zunge, Lippen oder Kiefer können die notwendigen Bewegungen zur Lautbildung nicht ausführen (z.B. Lispeln)

b) die Lautverarbeitung oder Wahrnehmung ist gestört (Laute werden ausgelassen oder durch andere ersetzt (z.B. "Bume" statt "Blume" oder "Sule" statt "Schule")

Mögliche Ursachen sind:
- Hörstörungen
- Wahrnehmungs- oder Verarbeitungsstörungen
- fehlerhafte Zahnstellung
- unzureichende sprachliche Anregung
- familiäre Veranlagung
- generelle Sprachentwicklungsverzögerung
- Schnuller- oder Daumenlutschgewohnheit

Alter Normaler Lauterwerb Pathologische Prozesse
1,6 - 1,11 p, b, d, t, m, n t, d wird zu k, g
2,0 - 2,5 w, s, ss, h f wird zu s
2,6 - 2,11 k, g, ng, f, ch2, l, pf, j, r s wird zu t, ch wird zu k
3,0 - 3,5 z, ch1 Auslassungen von Wortanfängen
3,6, - 3,11 sch Ersetzungen von Wortanfängen durch h
- 5,8 sch in Konsonantenverbindungen  



2. Störung der Sprachentwicklung
Ein wichtiges Zeichen einer gestörten Sprachentwicklung ist in erster Linie ein deutlich verzögerter Sprechbeginn. Es können einzelne oder alle der folgenden Bereiche betroffen sein

- Satzbau und Grammatik (“Ich Buch gucken”, “Des net ristig is!”)
- Wortschatz
- Sprachverständnis
- Artikulation
- Kommunikationsverhalten allgemein

Mögliche Ursachen sind:

- Hörstörungen
- Wahrnehmungs- oder Verarbeitungsstörungen
- Frühkindliche Hirnschädigungen
- eingeschränktes Rhythmusempfinden
- verkürzte Hörmerkspanne (z. B. bei einer Aufmerksamkeitsstörung)
- unzureichende sprachliche Anregung oder Vorbilder
- familiäre Veranlagung
- generelle Entwicklungsverzögerung
- Lernbehinderung

! Sollte ein Kind im Alter von spätestens 2,5 Jahren nicht oder nur sehr wenig sprechen, so ist eine Untersuchung durch einen Logopäden dringend notwendig. Dieser kann entscheiden, ob eine Förderung sinnvoll ist, oder ob das Kind in der Lage ist, die Verzögerung selbständig aufzuholen.


3. Redeflussstörungen: Stottern / Poltern
Stottern kann bei Kindern in jedem Alter auftreten. Am häufigsten beobachtet man das Auftreten von Sprechunflüssigkeiten im Alter zwischen 4 und 5 Jahren. Es gilt deutlich zwischen physiologischen Unflüssigkeiten und echtem Stottern zu unterscheiden:

Bei den physiologischen Sprechunflüssigkeiten werden eher ganze Satzteile oder einzelne Wörter wiederholt (“Und da- und da- und da und da hab ich dann...”). Dies entsteht, weil die gedankliche Planung schneller funktioniert, als die sprechmotorischen Fähigkeiten.

Beim echten Stottern treten auch Wort- und Satzteilwiederholungen auf, häufiger jedoch sind Silben- oder Lautwiederholungen.
Es gibt es 3 Arten der Kernsymptomatik:

- Wiederholungen ("Wa-wa-was")
- Dehnungen ("Wwwwwas")
- Blockierungen ("W-........-.....was")

Oft kommt zu der Kern- noch eine Begleitsymptomatik, wie Sprechanstrengung, Satzabbrüche, Mitbewegungen und/ oder Sprechängste.

Stottern tritt bei etwa 5 % aller Kinder weltweit, egal welcher Herkunft und Lebenssituation, auf. Es ist nicht heilbar, kann durch gezielte Therapie jedoch in seiner Schwere positiv beeinflusst werden. Die Ursachen sind bisher nicht hinreichend geklärt. Man geht von einer genetischen Disposition aus.

! Beim echten Stottern handelt es sich um eine ernstzunehmende Sprechstörung, bei welcher man einen Logopäden oder Sprachtherapeuten aufsuchen sollte, egal, in welchem Alter die Symptomatik auftritt.

Das Poltern ist eine eher seltene Redeflussstörung, bei welcher das Sprechen zu überhastet ist. Es werden Silben verschluckt, wenig Sprechpausen eingehalten und die Sprachmelodie ist undifferenziert. Dieses Störungsbild erkennt man oft erst nach dem vollständigen Spracherwerb.


4. Myofunktionelle Störung: Einschränkung im Bereich der Mund- und Gesichtsmuskulatur
Ein häufig auftretendes Erscheinungsbild , hervorgerufen durch eine fehlerhafte Muskelspannung im Gesichtsbereich. Es bilden sich folgende Symptome:

- Offener Mund, Mundatmung
- fehlerhaftes Schluckmuster, die Zunge schiebt gegen die Frontzähne
- Lispeln

Ursachen:

- Lippen- Kiefer- Gaumenspalten
- unzureichende Körperspannung
- zu langer Schnuller- oder Trinkfläschchengebrauch
- Daumenlutschen
- Entzündungen im Nasen- Rachenraum (häufige Mandelentzündungen, Polypen)

! Wenn nicht frühzeitig erkannt und durch logopädische Behandlung behoben, führt die myofunktionelle Störung zu Kieferanomalien und Zahnfehlstellungen.


5. Störungen der Hörverarbeitung / Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen
Hier können Informationen, die über das Ohr aufgenommen werden, schlecht verarbeitet werden. Häufige Symptome sind:

- Aussprachestörungen
- Kinder scheinen manche Dinge nicht zu verstehen
- Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen
- Hyperaktivität
- Lese- Rechtschreibschwäche

Ursachen:

- familiäre Veranlagung
- häufige Mittelohrentzündungen

© PRAXISGEMEINSCHAFT LOGOPÄDIE - BETTINA LAUBACH, SONJA ECKARDT, NATASCHA VON BORN
INTERNET: tagewerk 7 - INTERNETAGENTUR